Muizenberg: Kapstadts Surferparadies

Muizenberg ist eine Ortschaft mit rund 38.000 Einwohnern in der False Bay auf der Kap-Halbinsel und gehört zu Kapstadt. Das bekannteste an Muizenberg sind wohl seine malerischen bunten Badehäuschen, die auf Holzstelzen stehen und auf jeder dritten Kapstadt-Postkarte glänzen. Allerdings findet man die besagten bunten Badehütten auch an den Stränden von Fish Hoek und St James, die auch zur False Bay gehören. – Nur das jene von Muizenberg die besagten Postkartenverzierer sind!

In St James stehen sie im Übrigen gleich neben dem künstlich angelegten, ins felsige Meer ragenden Gestein-Gezeiten-Pool, in dem man baden kann. Ich habe es als Morgenmuffel in dieser Woche das erste mal geschafft nach einem entspannten morgendlichen Lauf entlang des wunderbaren St James Coastal Walk in den traumhaften Gezeiten-Pool zu springen. Das war einmalig! Nicht nur das kühle Nass nach dem morgendlichen Sonnenlauf, sondern vor allem die traumhafte Kulisse des Ozeans und der Berge ringsherum. Ich hoffe, dass die Motivation nun groß genug ist, um das von nun an öfter zu tun! Allerdings sollte man hier wirklich früh unterwegs sein. Denn jetzt wo der Sommer in Kapstadt endlich angekommen ist, tummeln sich neben vielen Touristen und Senioren, vor allem Kindergartengruppen mit Betreuern an dem kleinen Strand. Und nein – versteht mich nicht falsch. Nicht, dass es keinen Spaß machen würde Südafrikas Nachwuchs, die neue „Regenbogen-Generation“ zu beobachten und mit ihnen zusammen zu planschen. Es macht sogar sehr viel Spaß – gerade auch weil sie dem Namen „Regenbogen-Nation“ nun augenscheinlich alle Ehre machen und das im Nach-Apartheid Südafrika ein wirklich tolles Bild ist. Das gibt endlich mal wieder ein bißchen Grund zur Hoffnung und zauberte auch mir an diesem Morgen ein Lächeln ins Gesicht. Denn Hoffnung können wir ja ganz gut gebrauchen – gerade jetzt und mit Blick auf den Rest unserer Welt … Mich hat´s jedenfalls euphorisch gestimmt. Allerdings sind es sind nicht nur 2-3 Kindergruppen, die sich in St James diese Tage vor den Ferien im Steinpool lümmeln, sondern wirklich Kinder-Horden!!! Die Erzieher bringen die Kinder an den St James Tidal Pool, weil der nicht nur wunderschön ist, sondern auch sicher für die Kleinsten. Das zumindest im Gegensatz zum tosenden Meer im Hintergrund. Denn hier gibt’s keine Killerwellen und vor allem keine Haie! Man kann hier also auch bei starker Brandung baden.

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St James Tidal pools – safe from sharks and waves!

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St James Tidal Pool – a refreshing little gem. Tide pools are rocky pools on the sea shore which are filled with seawater.

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Beautiful St James with its tidal pool, colourful beach huts and the St James costal walkway.

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St James beach with the colourful beach huts. Yes, it was crowded : )

Die „False Bay“, wo sich St James und Muizenberg befinden, bedeutet im Übrigen „Falsche Bucht“ und verdankt ihren Namen der Tatsache, dass die früheren Seefahrer bei der Umsegelung der Südspitze Afrikas des Öfteren irrtümlich in der False Bay ihre Anker geworfen haben, da sie in dem Glauben waren bereits an der Kapstädter Bucht angekommen zu sein.

Nun aber wieder zurück zu Muizenbergs bunten viktorianischen Badehäuschen, die man heute auch saisonweise mieten kann. Aber nein – wer jetzt hellhörig wird: Keine Chance so ein Umkleidehäuschen zu ergattern! – Denn das wollen in Kapstadt so Einige! Die Wartelisten sind dementsprechend lang. Diese Monopolisierung ist natürlich unschön, doch gleichzeitig stehen die Listen auch für eine neue Freiheit und gegen Ausgrenzung in Südafrika. Denn der freie Zugang zu diesen Umkleidekabinen und Stränden (!) war zu Zeiten der Apartheid dem Großteil der Bevölkerung nicht möglich. Die Strände der östlichen Kap-Halbinsel galten als exklusiv und waren ausschließlich den Weißen vorbehalten. Und insbesondere der weiße Strand Muizenbergs galt als mondänes Strandressort, an dem sich die reichen Kapstädter im Sommer tummelten. Vergleichbar mit dem heutigen Camps Bay und Clifton im Zentrum Kapstadts.

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Muizenberg Beach with its colourful Victorian bathing boxes.

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Muizenberg Beach – one of Cape Town’s most famous beaches.

Ich bin nun auf Muizenberg aufmerksam geworden, da ich in der Nachbarschaft – nämlich in Kalk Bay wohne, – und keinen eigenen Supermarkt habe. Daher laufe ich gerne die 3 Kilometer nach Muizenberg, um meinen Kühlschrank zu füllen. Oft schiebe ich den Einkauf auch nur vor, weil ich es einfach liebe den St James Coastal Walk entlang zu laufen. Denn der Spaziergang entlang der Atlantikküste ist einfach ein Traum. Einbetoniert neben dem Ozean führt ein schmaler Weg die False Bay entlang und stets trifft man andere Spaziergänger, Wanderer oder Läufer. Fast immer weht eine kühle Brise und manchmal bei Flut schlagen die Wellen so hoch, dass aus der kühlen Brise ein kühles Nass wird. Aber das stört niemanden. Und ausweichen kann man auch oft nicht, denn auf der anderen Seite fährt der Zug (im Übrigen zähle ich auch diese Zugfahrt von der False Bay Station nach Simons Town zu einer der schönsten mir bekannten Küstenfahrten!). Trotzdem sollte man stets auf die Gezeiten achten! Denn einige Fischer hat die starke Brandung gerade in den Wintermonaten schon sehr böse überrascht! Nichtsdestotrotz ist dieser Spaziergang absolut empfehlenswert, sei es wegen der dramatisch aussehenden Sandsteinblöcke, die typisch für diesen Abschnitt sind, den einladenden Gesteinpools, den geschäftigen Fischern, den Oystercatchern (dt.:“Austernfischer“) und Robben, die man manchmal zu sehen bekommt oder sei´s einfach um den einzigartigen Flair dieses Küstenweges zu genießen.

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St James Coastal Walk …with beautiful sea and mountain views.

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The concrete walkway along the False Bay coast is a wonderfully refreshing, easy walk. It is frequented by walkers, hikers and runners of all shapes and sizes : )

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Muizenberg to St James Trail – you’ll often see African black oystercatchers. Waves frequently crash on to the path at high tide, particularly in winter, so timing is everything if you want to avoid getting wet.

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The walk will take between 15 -30 minutes from St James to Muizenberg…

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You can either return the same way, walk back along the main road (known as the Historical Mile) or take the train back to the start.

Aber nun wieder zurück zu Muizenberg oder auch „Muizies“ wie es liebevoll von den Locals genannt wird. Denn Muizies ist mit dem seichten Wasser und großen Wellen wohl der Surfer-Hotspot schlechthin in Kapstadt! Die Kehrseite ist allerdings die, dass es wegen dem starken Robbenaufkommen immer wieder Haie in der 40 Kilometer breiten False Bay gibt. Und ja, was soll ich sagen: Leider gehören Haie, neben Flugzeugen und Blitzen zu meinen drei großen Phobien! Und auch wenn ich die Statistiken und Unwahrscheinlichkeiten eines Haiangriffs kenne – Phobie ist nun mal Phobie! Zudem hat natürlich Hollywood und die Boulevardpresse zur Angst vor dem „Großen Weißen Hai“ beigetragen, wobei sich letzterer, wenn er denn um die Hysterie über ihn wüsste, wahrscheinlich schlapp lachen würde! Nichtsdestotrotz gibt es in Südafrika in der False Bay die größte Population des Weißen Hais – das ist quasi White Shark Country. Denn der Weiße Hai ist in Südafrika seit 1991 geschützt und seitdem hat sich die Population vor Südafrikas Küste gut entwickelt.

So sitz ich in Muizenberg am liebsten im Empire Café (11 York Rd, Muizenberg, 7950 Kapstadt), in der 2. Etage, wo man einen super Blick auf das Meer und die Surfer-Hotspots hat und schaute den Surferboys und Girls bei ihrer Meditation auf dem Meer zu. Ab und an blicke ich schon ein wenig wehmütig rüber. Aber Ängste sind nun mal völlig irrationale Weggefährten, die uns das Leben manchmal zur Hölle machen. Vielleicht sollte ich sie nach 6 Jahren Kapstadt endlich mal bekämpfen? Nein. Dazu bin ich noch nicht bereit. Also sitze ich lieber in meinem Muizenberger Lieblingscafé und esse mein vegetarisches Sandwich für unschlagbare 45 Rand mit „roasted vegetables“, schlürfe meinen Flat White und konzentriere mich auf das Schreiben. Dazu bin ich schließlich hier. Doch natürlich nicht, ohne ab und an einen sehnsüchtigen Blick auf den Ozean und die Surfer zu werfen, die sich bei dem tollen Wetter heute en masse tummeln. Wenig später, nachdem ich dann ein wenig durch Muizenberg spaziert bin, lasse ich mich im Ta Da! nieder. Doch bevor ich´s vergesse – Muizenberg hat im Übrigen nicht nur tolle Cafés, Restaurants und Surfschulen, sondern auch urige Buchläden und tolle Vintage- & Charity Shops, wo man neben allerlei Schnickschnack auch ab und an ein paar alte Juwelen findet – und vor allem auch Läden unterstützt, deren Einnahmen in die lokale Community fließen!

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View from Empire Cafe – a popular restaurant in Muizenberg with excellent coffee.

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That´s Muizenberg’s Surfers Corner. But not only surf rules in this Bohemian seaside village. You´ll find great eateries, lovely bookstores and plenty of vintage and charity shops packed with authentic treasures!!

Das Ta-Da! (34 Beach Rd, Muizenberg, Kapstadt 7945) hatte ich schon bei meinem Hout Bay Bericht als Top Café erwähnt. Hier gibt’s besonders leckere frisch gepresste Säfte wie den High Five mit roter Bete, Karotte, Apfel und Ingwer und den Breakfast French Toast, den man mir hier netterweise auch als Nachmittagssnack zubereitet. Das Ta Da! liegt direkt gegenüber vom Meer und wie ich nun meinen Laptop auf dem Holztisch direkt am Fenster ausbreite, habe ich einen Panorama-Blick auf die bunten viktorianischen Badehäuser, den Strand, den Ozean, die Surfer und natürlich die Hai-Flagge! Denn wegen dem starken Haiaufkommen gibt´s in Muizie ein ausgeklügeltes Frühwarnsystem mittels Haiflagge in vier verschiedenen Warnfarben. Und heute weht die Fahne mal wieder schwarz mit weißem Hai, was soviel bedeutet wie „schlechte Wetterbedingungen, keine Sicht möglich.“ Nicht besonders viel versprechend, wenn man mich fragt …

Ich beobachte eine Surfschule. Blonde Surferboys zeigen kleinen Jungs aus den Cape Flats das Surfen. Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder aus bildungsfernen Haushalten bzw. den umliegenden Townships und dass es davon in Südafrika sehr viele gibt, braucht hier wohl keine Erwähnung zu finden. Derartige Projekte gibt es im Übrigen so einige hier in Muizenberg – eine tolle Sache wie ich finde. Und nun beäuge ich die kleinen Jungs etwas neidisch und wünschte mir ich hätte ihren Mut. Aber um ehrlich zu sein, bin ich neben den ganzen entspannten Surfern in Muizenbergs Surfer Corner sowieso der einzige Schisshase! Nach einer Weile, die ich nun hinter der Scheibe mit meinem frisch gepresstem Saft und Rechner zur Tarnung gesessen habe und voller Wehmut auf den Ozean starrte, merke ich erst, dass das Ta Da!, neben vielen anderen Cafés rechts und links, auf der Muizenberger Flaniermeile liegt. Genauer der Surfer-Flaniermeile! Schließlich ist es die Beach Road, die Straße direkt auf der Promenade vorm Strand. Hier treiben sich die Surfer rum, parken ihre Autos oder flanieren in ihren Neoprenanzügen vor meiner Scheibe. Ich muss zugeben, dass mir das Spektakel am Ende des Tages dann doch ganz gut gefallen hat. Denn wenn man wie ich am Tisch an der Scheibe sitzt und damit quasi unmittelbar auf der Flaniermeile exponiert ist, bekommt man eine ganze Menge Aufmerksamkeit. Nicht, dass ich die gebraucht oder gesucht hätte, aber sie hat mich dann vielleicht doch ein wenig über meine Hai-Surf-Phobie hinweg getröstet! Und für alle die, die nach Muizenberg kommen und auf der Suche nach netten Bekanntschaften sind, denen empfehle ich sich ins Ta-Da! oder eines der anderen wirklich guten Cafés auf der Beach Road zu setzen und die Aussicht zu genießen. Auf den Ozean natürlich! Ich hingegen bin ja nur zum Schreiben hier. Ich konzentriere mich also wieder auf meinen Bildschirm. Und ja, das geht bei der Muizenberger Atmosphäre auch recht entspannt, wenn man sich all´ den Ablenkungen widersetzt. Das Ambiente ist angenehm. Neben mir sitzt ein junger Surfer und schreibt per Hand auf einem Blatt Papier seine Gedanken nieder… Klar, ein paar Laptops gibt es auch um mich herum, da wäre zum Beispiel heute mal mein eigener. Aber trotzdem, den seltenen Anblick des Papierschreibers neben mir, den bekommt man am ehesten noch an diesen netten kleinen entspannten Orten an der False Bay wie Muizenbergs Surfers Corner zu sehen. Und genau das ist es, was dieses Örtchen so besonders macht.

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Muizenberg with endless views over the most popular surfing beach in Cape Town!

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Muizenberg – pretty obsessed with surfing!

Am Ende des Tages laufe ich dann nicht den wunderschönen St James Coastal Walk, sondern die Main Road zurück. Grund dafür sind nicht nur meine Einkaufstüten vom Checkers, sondern auch der, dass auf der Hauptstraße Richtung Kalk Bay wundervolle alte Gebäude der einst Reichen und Mächtigen Kapstadts aus einer längst vergangenen Zeit stehen. Und der Charme Muizenbergs liegt vor allem darin, dass die raue See und frische Meeresbrise diesen einst herrschaftlichen Gebäuden im Laufe der Zeit einen gewissen Hauch von Verfall verliehen haben. Als Einstieg des wirklich lohnenswerten Spaziergangs auf der Main Road wäre schon mal die wunderschöne rote backsteinige Muizenberger Zugstation mit ihrem bogenförmigen Sandsteineingang aus der Edwardischen Epoche zu nennen. Sie wurde im Jahr 1913, zu Muizenbergs goldenen Höchst- und Glanzzeiten als Ferienressort, eröffnet.

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The Edwardian-era red brick Muizenberg Station with its arched sandstone entrances and beautiful teak clock tower. A beautiful relict of the golden days of Muizenberg.

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Rhodes Cottage Museum – Walk along the main road which is known as the Historical Mile and enjoy the rather grand old buildings on the mountainside.

Ich genieße also die Aussicht und die gute Stimmung, die herrscht. Schließlich haben wir nach einigen sehr windigen Tagen, heute tolles Wetter. Denn eins darf man nicht vergessen, nämlich dass Kapstadt eine der wenigen Städte ist, wo man 4 Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Und obwohl wir quasi am Kap nun schon den Sommer eingeläutet haben, tobt seit einigen Wochen der South Easter, auch bekannt als „Cape Doctor“ und treibt hier sein Unwesen. Der Cape Doctor sorgt dann auch schon mal dafür, dass man am Kap ziemlich friert! Aber heut scheint die Sonne und das merkt man auch sofort. Wo man auch hinschaut, sind die Leute gut drauf und ausgelassen. Ob Touristen oder Einheimische, die Sonne macht super Laune!

Ich laufe also der Hauptstraße entlang in mein Zuhause nach Kalk Bay und denke darüber nach, WANN, ja wann ich denn endlich mal diesen Schritt wagen werde und mich auf ein Surfbrett stelle? Vielleicht im Jahr 2017? Das wäre dann mein 7. Jahr, in dem ich einige Monate in der wundervollen südafrikanischen Stadt am Kap verbringen würde. Und ja, man redet ja immer von der magischen „Sieben“!

Also nächstes Jahr – im nächsten Jahr werde ich vielleicht im wundervollen Muizenberg surfen „lernen“…

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5 Gedanken zu “Muizenberg: Kapstadts Surferparadies

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